Haltungsschulung
Im Gegensatz zur üblichen Vorstellung einer Haltungsschulung wird es in dieser Veranstaltung vermieden, vorgegebene Therapieziele mit dem Ziel einer  "korrekten" Körperhaltung anzustreben. Es werden vielmehr die Eigenschaften und Fähigkeiten, die der Patient mitbringt, über eine Haltungsänderung zur Entlastung im Alltag genutzt. 
Für diesen Ressourcen orientierten Ansatz werden im Unterschied zu den übrigen Veranstaltungen die ersten beiden Wochen für die Erfassung der Ist-Situation der Patienten verwendet. In der dritten Woche wird Rumpfstabilität erarbeitet, während die letzten beiden Wochen für die Übertragung des Erlernten auf Alltagsbewegungen genutzt werden.
Woche
Thema der Stunde
Methode
Wochenmotto
1
Körperhaltung im Sitzen
Bewusstmachen der Gewohnheitshaltung im Sitzen
Erfassen der Muskelspannung
Vermittlung von Orientierungshilfen
Entlastung über Haltungsänderung
Ist - Situation
2
Körperhaltung im Stand
Erfassen der Stehposition und der Muskelspannung in verschiedenen Körperabschnitten
Vermittlung von Orientierungshilfen zur Korrektur
Haltung als Schmerzverstärker und Entlastung über Haltungsänderung
Schmerz-
chronifizierung
3
Rumpfstabilität
Haltefunktion der einzelnen Rumpfmuskulaturgruppen
Koordination der Gruppen untereinander
Effekte bei statischen und dynamischen Widerstandsübungen
Umgang mit Konflikten
4
Rückengerechtes Verhalten im Alltag, Ergonomie I
Ortsständige Nutzung des Bewegungsspielraums der Arme und Beine unter Beachtung der Rumpfstabilität
Stabilisationsübungen, aktives Aufrichten
Stabilität
5
Rückengerechtes Verhalten im Alltag, Ergonomie II
Erweiterung des Bewegungsspielraums durch Ortswechsel unter Beachtung der Rumpfstabilität
Gleichgewichtsreaktionen, aktives Aufrichten
Einflüsse verschiedener Gangarten auf muskuläre Belastungen
Alltagstransfer
Erläuterungen zur Vorgehensweise
Körperhaltung im Sitzen
Voraussetzung für diese Schulung ist eine ausreichende Körperwahrnehmung, die während des Aufnahmeverfahrens überprüft wird und gegebenenfalls in einem Vorbereitungskurs erarbeitet wird.
Als Orientierungshilfen dienen im Sitzen die Veränderungen der Belastungen der Sitzbeinhöcker bei gekipptem Becken und aufgerichtetem Becken. Zusätzlich wird noch die Rechts-Links-Belastung überprüft. Angestrebt wird eine mittlere, seitengleiche Belastung der Sitzbeinhöcker. Außerdem werden noch die Auswirkungen der Haltungsänderung auf Brust- und Bauchatmung aufgezeigt.
Körperhaltung im Stand
Im Stand wird eine  größere Zahl von Orientierungshilfen benötigt. Ausgehend von der Gewohnheitshaltung wird die Mittelposition der Gewichtsbelastung zwischen Vorfuß und Ferse, Außen- und Innenrand des Fußes, Außen- oder Innenrotation der Beine, schmaler oder breiter Unterstützungsfläche herausgefunden. Außerdem wird die Rechts-Links-Verteilung erfasst. Erkenntnisse über die Auswirkungen von Haltungsänderungen auf die Rumpfmuskulatur werden für eine entlastende Haltungskorrektur genutzt.
Rumpfstabilität
Basierend auf den Erkenntnissen der Vorwoche wird in Sitzen und Stehen die aktive Aufrichtung und Stabilisierung des Rumpfes in Mittelstellung erarbeitet. Aus verschiedenen Ausgangspositionen wird dann der Einsatz der stabilisierenden Rumpfmuskulatur bei statischen und dynamischen Widerstandsübungen erfasst, zunächst einzeln. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in der gleichen Woche in verschiedenen Veranstaltungen (Bewegungsbad, Sanfte Gymnastik, Körperliche Aktivierung, Atmen und Dehnen) vertieft. Die Stabilisierung auf somatischer Ebene wird ergänzt durch Erfahrungen und Erkenntnisse aus den Konfrontationsübungen der psychologischen Schmerztherapie. 
Ergonomie I 
Überprüfen der Rumpfstabilität bei Nutzung des Bewegungsspielraums von Armen und Beinen im Sitzen, vor allem bei typischen Bewegungsabläufen im Alltag und am Arbeitsplatz. Mit Stabilisationsübungen und Benutzung von Pezziball, Theraband und Gewichtsbelastung werden die Bewegungseffekte noch deutlicher gemacht.
Ergonomie II
Hier wird der Einfluss von Gleichgewichtsreaktionen und zusätzlicher Gewichtsbelastung auf die Rumpfstabilität bei freier Arm- und Beinbewegung überprüft, um das Einwirken der Schwerkraft auf die aktive Aufrichtung während des Gehens festzustellen. Dabei werden verschiedene Gangarten ausprobiert. Ziel ist die möglichst freie Bewegung in verschiedenen Alltagssituationen und unter Nutzung möglichst vieler Bewegungs- und Gangvariationen.