7. Wahrnehmungstraining
Unter Körperwahrnehmung versteht man zunächst die bewusste Aufnahme von Körpersignalen der Tiefensensibilität (Gelenkstellung, Muskelspannung etc.) und der körperbezogenen diskriminativen Sensibilität (Wärme, Druck etc.). Die Fähigkeit, diese Körpersignale aufzunehmen und zu nutzen ist die Voraussetzung für zielgerichtete und sicher ausgeführte Bewegung. Eine intakte Körperwahrnehmung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Effektivität physiotherapeutischer und sonstiger bewegungstherapeutischer Verfahren. Im Alltag findet die Körperwahrnehmung üblicherweise im Unterbewusstsein statt, da die Aufmerksamkeit auf die Umgebung oder die aktuelle Tätigkeit gerichtet ist. Normalerweise setzen wir die Funktionsfähigkeit unseres Körpers als selbstverständlich voraus und nehmen ihn erst dann bewusst wahr, wenn ein Defizit oder eine Fehlfunktion gemeldet wird, beispielsweise Nahrungsbedarf oder Schmerz.
Zur Wahrnehmung der eigenen Person gehört aber auch die Bewertung der eigenen körperlichen Fähigkeiten und des Leistungsvermögens. Grundlage dieser Bewertung sind die aufgenommenen Körpersignale und die im Zusammenhang damit erfahrenen Erfolge und Misserfolge. Die Bewertung umfasst auch die affektive Einstellung sich selbst gegenüber.
Bei Schmerzpatienten wird die Wahrnehmung des eigenen Körpers und der eigenen Person überwiegend von Schmerzen und damit  Negativempfindungen beherrscht. Entsprechend ist auch die eigene Bewertung negativ gefärbt, da Positivsignale durch den Schmerz in ihrer Bedeutung überspielt werden, verdeckt werden oder aber nicht positiv, sondern als "normal" gewertet werden. Für Schmerzpatienten ist es wichtig, diese verschütteten Positiv - Empfindungen wieder zu entdecken und das verschobene Bewertungsschema neu aufzubauen. Das Wiedererkennen unvermuteter Fähigkeiten und Eigenschaften sowie die geänderte Bewertung des eigenen Körpers und der eigenen Person können dann als Gegengewicht gegenüber der Negativempfindung Schmerz dienen. 
Schließlich ist es für Schmerzpatienten noch sinnvoll, auch den Bereich der sozialen Wahrnehmungzu beleuchten. Der häufig zu beobachtende fortschreitende Verzicht auf soziale Kontakte führt auch zu Zweifeln an den eigenen sozialen Fähigkeiten. In der Gruppe können nichtsprachliche Signale und die Körpersprache erprobt werden und darüber Sicherheit im sozialen Umgang erarbeitet werden. Die angestrebte Wiederaufnahme sozialer Kontakte wird durch diese Sicherheit wesentlich erleichtert.
 
Die Wahrnehmung kann in einen interne und externen Anteil unterteilt werden:
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Im Wahrnehmungstraining wird überwiegend die interne Wahrnehmung geübt. 
Das Training der nach extern gerichtete Wahrnehmung findet in den
Themenzentrierten Bewegungssequenzen statt.